Zeitreise 2017-09-03T20:43:00+00:00
Hilfsprojekt Afrika
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Zeitreise durch das Projekt

Gründungsmotive:

  • Unter Amin und Obote litt das ohnehin sehr arme Land nach den verheerenden inneren Kriegswirren der 60er und 70er Jahre unter Zerstörung und noch schlimmerer Armut.
  • Zusätzlich hatte HIV (AIDS) zu der Zeit seinen Entstehungsherd vermutlich in Uganda, mit verheerenden Auswirkungen in der Bevölkerung: Unvorstellbar viele Kinder wuchsen als Waisen auf, ohne Anleitung der Eltern. Familienvorstände waren deshalb oft selbst noch Kinder.
  • Es fehlte an existenziellen Fähigkeiten im Haushalt und für die familiären Farmen.
  • Da die meisten Jugendlichen in Uganda, so auch im Rakai-Distrikt die größten Selbsthilfe- und Beschäftigungschancen in der Landwirtschaft haben, wollten die Gründer die erforderlichen Ausbildungsmöglichkeiten schaffen.

 

Gründung 1987

Schulgruendung

Fr. Dr. Matthias

Auf dem von Rev. Fr. Dr. Matthias Lusembo ererbten Gelände wurde 1987 von Bauern und Bewohnern der Umgebung die Twezimbe Agricultural Training School gegründet. Initiator war Father Matthias selbst, damals Rektor am Katigondo National Major Seminary, z.Z. als katholischer Missionar in Richmond Diözese, Virginia, U.S.A. Er überschrieb sein Gelände der katholischen Diözese Masaka (Uganda), so dass die neu gegründete Schule den Status einer katholischen Privatschule bekam. 1994 wurde die Schule umbenannt in Mbuye Farm School.

 

 

Schule Uganda

„Klassenzimmer“ 1990

Die Schule hat sehr klein begonnen, auf offener Wiese, mit einer Lehrkraft und um die 15 Kinder. Es bestanden keine Gebäude, es gab kein sauberes Wasser, keinen Strom. Die Schülerzahl stieg schon in den ersten Jahren stetig, ohne dass sich die Schule mitentwickeln konnte. Erst im Jahr 1996 wurde die Schule zu einer Secondary School. Das Besondere der Mbuye Farm School: Obwohl in Uganda 85% (90% im Rakai-Distrikt) der Bevölkerung von Landwirtschaft abhängig sind, gab es damals zu wenig Landwirtschaftsschulen. Im Rakai-Distrikt gab es jetzt nur die Mbuye Farmschule. In Anbetracht der starken Bevölkerungszunahme (1969: 9,5 Mio., 1980: 12,6 Mio., 1991: 16,7 Mio., 2017 ca. 42 Mio.) müssen die Erträge aus der Landwirtschaft ständig gesteigert werden. In der Farmschule ausgebildete Jugendliche haben sich bisher gut bewährt. Die Mbuye Farm School ist keine staatliche Schule, sondern eine staatlich anerkannte Schule in privater Trägerschaft, soweit kein Unterschied zu vielen anderen Secondary Schools. Die Besonderheit besteht zum einen darin, dass diese Schule überhaupt Berufsausbildung betreibt, was in Uganda immer noch selten ist, aber aktuell sehr gefördert wird; zum andern bietet die Mbuye Farm School in einem von zwei Strängen gleichzeitig Berufsausbildung und Allgemeinbildung an. Bis heute, 2017, hat die Schule ca. 2000 Absolventen hervorgebracht. Die meisten jungen Leute haben sehr gute Vermittlungschancen. Das Konzept des Gründers ist aufgegangen!

 

Erstes Zusammentreffen mit deutschem Unterstützer 1996

1996 befand sich Herr Ernst Einsporn (Bielefeld) mit einer Reisegruppe in Uganda und traf dort erstmals mit Fr. Dr. Matthias Lusembo zusammen. Gemeinsam entwickelten sie Ideen und Pläne für die Weiterentwicklung der Farm School. Seitdem hat sich Herr Einsporn intensiv für die Schule engagiert. Mit eigenen, privaten Mitteln und gesammelten Spenden hat er zunächst die dringendsten Schritte unternommen: Brunnenbau, Pumpe, Hochtank und Stromversorgung wurden an der Schule finanziert. Den Verein gab es noch nicht.

Es entstanden die ersten Klassenräume und Schlafunterkünfte. Heute, 2017, nennen wir diese Aufbauphase „CAMPUS 1“, die bis Ende 2016 gedauert hat. Die Weiterentwicklung des CAMPUS 1 findet ab 2017 für die Bildungsgänge „Certificates“ und „Diplomas“ statt. Zusammen bilden sie das „College“.

 

Die Ausbauphasen seit 1996 in Jahreszahlen

1997 Wasserversorgung, Stromversorgung, erste Klassenräume, erste Schlafsäle
1998 Weitere Klassenräume, Bauhalle, Lehrerwohnungen
1999 Aula, Küche, Wirtschaftshof, LKW
2000 Eröffnung der Maismühle in Lwanda, Kauf des Farmgeländes in Mayanja: 250 ha
2001 Erster Container, erste gebrauchte Computer
2003 Weiterer Container mit Maschinen zur Holzbearbeitung, Gründung der Carpentry
2006 Das Diploma-Programm startet. Vor den Toren der Schule werden Wohngebäude angemietet. Bau von Lehrerwohnungen, neue Bauhalle
2007 Hinzukauf zum Farmgelände: Mayanja 2, Grabung einer Wasserstelle für die Herde
2009 Erste Genehmigung, eine Sickbay („Klinik“) zu betreiben. Bau eines Dips (Desinfektionsgraben) für die Herde in Mayanja (260 Tiere)
2010 Die Schule wird mit einem kräftigen Traktor ausgestattet
2012 25-Jahr-Feier, Jubiläum
2013 Baubeginn der Klinik, Unterstützung durch: Verein, LIONS CLUB Enger/Spenge und das BMZ
2014 Inbetriebnahme der Klinik
2016 Renovierung des Baubestandes Campus 1, Baubeginn Campus 2: Die Schule muss sich teilen in Secondary School und die beiden Typen der höheren Bildung
2017 Umzug der Secondary School auf den neuen Campus 2, erster Bauabschnitt. Der bisherige Campus 1 wird nun von den höheren Bildungseinrichtungen „Certificates“ und „Diplomas“ genutzt

 

Aufbau Campus 1

Inzwischen hat sich die Schule zu einem Internat mit berufsbildenden Anteilen entwickelt und beschult insgesamt ca. 700 Jungen und Mädchen im Alter ab 13/14 Jahren. Es werden die Abschlüsse der Secondary School O-Level erteilt so wie berufliche Zertifikate in einigen Berufszweigen: Landwirtschaft und Haushalt (Kernqualifikation), Maurer und Betonarbeiter, Schneiderei, Tischlerei/Zimmerei. Die Schule wurde vom Ministerium für Erziehung und Sport unter PFS/3/M registriert und auf nationaler Ebene anerkannt. Von 1987 bis heute hat die Schule ungefähr 2000 Absolventen im Bereich Landwirtschaft, BCP (Maurer-u. Betonarbeiten) und CJ-Technik (Carpentry and Joinery) und O-Level Absolventen mit sehr guten Abschlüssen hervorgebracht; die meisten von ihnen (berufsbildender Abschluss) haben schnell Beschäftigung auf Farmen, in landwirtschaftlichen Zulieferbetrieben oder auch auf selbstständiger Basis in ihrer Heimat gefunden. Andere haben ihre Ausbildung mit weiteren Zertifizierungen oder mit einem Studium fortgeführt, mit oder ohne Unterstützung der Schule, Paten bzw. des Vereins.

Neben den Ausbildungen an der Schule wurde auch versucht, einige Außenstellen zu betreiben: Gesundheitsberatung, eigene Maismühle, eigene Tischlerei, Optikerwerkstatt oder Heilpflanzenkultur. Einige davon haben immernoch Bestand, einige sind wieder eingestellt worden.

Im Jahr 2000 hat Ernst Einsporn in seiner Wohnumgebung in Bielefeld-Jöllenbeck den gemeinnützigen „Förderverein Mbuye Farm School e.V.“ gegründet, der seitdem die Zentrale bildet für die Partnerschaft mit der Schule in Uganda und jetzt Spendenquittungen ausstellen konnte.

Erfolgreich war die Schule in Zusammenarbeit mit mehreren Praktikantinnen und Praktikanten aus Deutschland, die danach entweder ihre eigenen Projekte in Uganda eröffnet haben oder ihre wissenschaftlichen Arbeiten (z.B. Hochschule für ökologische und tropische Landwirtschaft Osnabrück) an der Schule durchgeführt haben. Sie haben alle tolle Projekte angeschoben und ihre Spuren hinterlassen!

Da die Schule stetig expandierte, wurden im Laufe der Jahre immer mehr Unterkünfte für das Internat gebaut, dazu Klassenräume, Labor, Bibliothek und Verwaltungsräume. Mit wachsender Zahl der Menschen auf dem Gelände der Schule (heute incl. Personal ca. 850) war es uns ein notwendiges Anliegen, die Schule mit einer Krankenstation auszustatten. Mit Geldern aus Spenden, Unterstützung des Lions Club Enger/Spenge und staatlichen Mitteln des BMZ konnte 2014 eine Station eröffnet werden, die von offizieller Seite in Uganda als Klinik bezeichnet wird.

Eine Besonderheit ist uns gelungen, auf die wir einigermaßen stolz sind: Einige Lehrkräfte bis hin zu Leitungspersonen der Schule und der Klinik sind früher selbst Students der Schule gewesen, also „Eigengewächse“.

Alle bisher beschriebenen Maßnahmen fanden auf dem CAMPUS 1 statt.

Bilder Campus 1

2016/2017 Gründung, Aufbau des Campus 2:

Bereits unter der Leitung von Vizedirektor Sylvester Cule wurde 2006 gemeinsam mit der Uganda Martyrs Universität ein Bildungsgang der höheren Bildung mit Unterkünften in der unmittelbaren Umgebung der Farm School eingerichtet. Ansosten wurden die Einrichtungen der Farm School mit genutzt. Die sogenannten „Diplomas“ erhalten zum Abschluss ein Zertifikat, das sie zum Studium an der Martyrs Hochschule für Applied Sciences berechtigt. Gleichfalls können sich die Absolventen auf dem Arbeitsmarkt als zertifizierte Farmmanager bewerben. Die Vermittlungsquote liegt bei fast hundert Prozent. Ein Studium können sich die wenigsten leisten.

Im November 2016 wurde die Schule von Vertretern des Ministeriums für Erziehung und Sport (Uganda) inspiziert mit dem Ergebnis, dass die beiden Schultypen so nicht weiter arbeiten dürfen: Die beiden Schultypen müssen vollständig getrennt werden, mit jeweils eigenem Gelände, eigenem Campus, eigener Verwaltung, eigenen Finanzen, eigenem Lehrpersonal.

In einigen hochbrisanten Sitzungen wurde letztlich noch im November 2016 entschieden, einen zweiten Campus zu bauen. Baubeginn war bereits im Dezember, Rohbaueinweihung der ersten Gebäude im Februar 2017, Bezug am 29. April 2017, also etwas schneller als am BER in Berlin. Die Secondary School des Campus 1 ist somit umgezogen auf den Campus 2. Allerdings ist der aktuelle Bestand des Campus 2 zunächst nur ein erster, arbeitsfähiger Bauabschnitt. Es müssen nun noch Bibliothek, Computerzentrum, Speisehalle und Verwaltungsgebäude errichtet werden. Das erfordert noch erhebliche finanzielle Anstrengungen für die nächsten Jahre.

Der Campus 1 wurde nach ersten kleineren Umbaumaßnahmen von den „Certificates“ und den „Diplomas“ bezogen. Das Gesamtgebilde aus den Bildungsgängen „Certificates“ und „Diplomas“ ist nun ein „College“, also ein Institut der höheren Bildung mit Students, die mindestens 18 Jahre alt sind. Von den ca. 700 Students insgesamt stellt das College etwa 400 Students (August 2017). Die Lehrkräfte dieser Einheit sind speziell für diese Ausbildung qualifiziert.

Bilder: Umzug auf den Campus 2, April 2017